Das Herz der Demokratie

Das Herz der Demokratie

Für die nid-Sonderausgabe in kurdischer und arabischer Sprache fasste Erdmann Linde, ehemaliger Leiter des WDR-Studios Dortmund, seine Sicht auf das demokratische Grundrecht der Meinungsfreiheit in persönliche Worte. Dieser Text erschien in der gedruckten Ausgabe in arabischer Sprache.

Das Herz der Demokratie sind Menschen, die eine Meinung haben. Diese freie Meinung bilden sich die Menschen durch Informationen aus aller Welt und aus allen Richtungen: von Freund*innen, Kolleg*innen, Nachbar*innen und aus verschiedenen Medien: Zeitungen, Radio, Fernsehen, Internet, soziale Medien. Dass die Medien in Deutschland frei berichten können, ist in unserer Verfassung, dem Grundgesetz, garantiert. Keine Zensur darf stattfinden, kein*e Politiker*in darf diese Pressefreiheit einschränken. Diese Garantie bedeutet auch, dass Journalist*innen ihre Meinung auf Fakten stützen müssen. Zu allen Fakten gibt es immer mehrere Meinungen. Diese verschiedenen Sichtweisen sollen wahrnehmbar sein, damit die Meinungsfreiheit für jedermann möglich ist.

Erdmann Linde, Foto: privat

Die Medien sind sehr wichtig für unsere Demokratie. Deshalb gibt es natürlich auch immer wieder Versuche, sie zu beherrschen. In Deutschland finanzieren sich Zeitungen aus Werbung, Anzeigen und Abonnements. Privatradio und Privat-TV nur aus Werbung. Die großen öffentlich-rechtlichen Radio- und TV-Sender finanzieren sich über Gebühren und wenig Werbung; jeder Haushalt muss deshalb dafür einen Beitrag an den Beitragsservice zahlen. Das kostet die Menschen etwas; es ist aber auch die Garantie für Unabhängigkeit. Denn jene Medien, die sich nur aus Werbung finanzieren, haben ein Problem, wenn die Werbeindustrie sie wegen unliebsamer Berichte boykottiert.

In allen Medien gibt es immer wieder Manipulationen und auch Unwahrheiten. Dagegen kann man vor Gericht klagen. Bekommt man dort Recht, müssen die falschen Behauptungen korrigiert werden. Eventuell wird sogar ein Schmerzensgeld gezahlt.

Als Journalist beim WDR erlebte ich hin und wieder Versuche, von außen Einfluss auf unser Programm zu nehmen. Zum Beispiel rief mich ein Oberbürgermeister an und behauptete, wir hätten falsch über seinen Schwiegersohn berichtet und sollten das widerrufen. Da unsere Nachricht auf Fakten beruhte, habe ich nichts korrigiert. Von dem Oberbürgermeister habe ich nie wieder etwas in dieser Sache gehört.

Als einmal eine Zeitung fälschlicherweise über mich behauptete, ich hätte Geld erhalten, habe ich mich sofort beschwert. Die Falschmeldung wurde in der nächsten Ausgabe berichtigt und die Redaktion entschuldigte sich für diesen Fehler.

Wer also Opfer von Manipulation oder böser Meinungsmache oder von anderen Unrichtigkeiten wird: immer wehren! Journalist*innen haben viel Macht und deshalb auch eine große Verantwortung. Ohne freie Medien gibt es aber keine Demokratie und eine Demokratie erkennt man immer daran, wie frei die Medien sind.

Dieser Text erschien im Januar 2019 auf Arabisch in der nid-Sonderausgabe in kurdischer und arabischer Sprache.

Ansicht der gedruckten Seite – in der ersten nid-Sonderausgabe in kurdischer und arabischer Sprache, erschienen im Januar 2019.

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