Mehr Solidarität

Von Mahmoud Aldalati

Kann ich allein gegen Rassismus kämp­fen? Kann ich gegen einen Diktator kämp­fen? Bestimmt. Aber ein Mensch allein wird es nicht schaffen, mehr Demokratie und Mitgefühl in eine Gesellschaft zu tragen. Dazu braucht es immer die Unterstützung von vielen.

Das Wichtigste ist in meinen Augen die Solidarität untereinander. Eine solidarische Gesellschaft ist eine starke Gesellschaft. Ein Mensch allein kann gegen Diskriminie­rungen wenig ausrichten. Aber eine Gesell­schaft kann daran arbeiten, Diskriminierun­gen abzubauen.

Wenn wir uns als WIR verstehen und we­niger das ICH in den Vordergrund rücken, können wir uns auf Augenhöhe begeg­nen. Wir haben gemeinsame Herausfor­derungen, die wir gemeinsam bewältigen müssen – wenn unser gemeinsames Ziel darin liegt, eine Gesellschaft zu gestalten, in der wir friedlich leben wollen. Ich denke, wir sollten weniger darauf achten, welche Hautfarbe oder welche anderen Körperei­genschaften jemand hat.

Mahmoud Aldalati, Foto: Wolfgang Wedel

Wenn Sie gesund sind, stellen Sie sich vor, sie seien krank und müssten unter Schmer­zen auf einen Krankenwagen warten – ob­wohl die Straße vor ihrem Haus vollgeparkt ist mit den Autos aus Ihrer Nachbarschaft. Wäre es nicht großartig, eine Nachbarin käme auf die Idee, Sie ins Krankenhaus zu fahren? Oder stellen Sie sich vor, Sie woh­nen allein und niemand kommt Sie besu­chen. Wäre es nicht großartig, ein Nachbar käme ab und zu auf einen Kaffee bei Ihnen vorbei?

In Deutschland ist die Versorgung für alle Menschen organisiert. Aber die Kranken­versicherung trinkt keinen Kaffee mit Ihnen und erzählt Ihnen keine Geschichten aus Ihrer Nachbarschaft. Die Medikamente, die wir vom Arzt bekommen, sind wichtig. Aber es kann auch heilend wirken, wenn jemand da ist, der mit uns lacht oder etwas erzählt, uns Aufmerksamkeit schenkt.

Wir diskutieren viel über den Frieden, über Regeln und Gesetze. Vielleicht müssen wir uns aber vor allem Gedanken über das Miteinander machen. Vielleicht müssen wir vielmehr das Gefühl füreinander stärken, uns umeinander kümmern. Wenn wir ge­sund sind, denken wir nicht gerne daran, dass andere krank sind. Ich glaube, nur in einer Verbundenheit können wir auf dieser Erde so zufrieden wie möglich leben.

Dieser Text erschien 2018 in der 11. Ausgabe der Zeitung „Neu in Deutschland“ mit dem Schwerpunktthema ICH + WIR.

Kontakt Mahmoud Aldalati: aldalaty93@gmail.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.