Chemnitz in meinem Alltag

Chemnitz in meinem Alltag

Von Khaled Al Rifai
Foto: Wolfgang Wedel

Die Gewalt auf den Straßen von Chemnitz im Sommer 2018 bewegt Menschen in ganz Deutschland. Und für einige verändern solche Ereignisse den Alltag, auch in Bochum. Die Ereignisse in Chemnitz waren für mich ein Rückfall. Über das Internet hatte ich davon erfahren, dass in Chemnitz ein Deutscher ermordet worden war – möglicherweise von zwei Geflüchteten, einer davon aus meinem Land. Diese Nachrichten betreffen auch mein Leben in Bochum. Soviel war mir sofort klar.

Dabei hatte ich mich gerade erst an das Gefühl gewöhnt, dass es für mich normal werden könnte, in Deutschland zu leben. Ich habe Freunde gefunden und eine Ausbildungsstelle. Aber es ist komplizierter.

Ausgerechnet an dem Tag, an dem ich von dem Mord in Chemnitz hörte, begegnete ich auf meinem Nachhauseweg einer Gruppe junger Männer, vermutlich Migranten. Sie liefen hinter einer jungen Frau her, die sich ganz offensichtlich von den Männern belästigt fühlte. Ich habe die Polizei verständigt.

Wenn ich so etwas erlebe oder von ähnlichen Ereignissen im Fernsehen höre, habe ich immer das ungute Gefühl, dass ich die Folgen davon ganz unmittelbar in meinem Alltag erleben werde: mehr Ausgrenzung, mehr Diskriminierung, weniger Hoffnung auf ein friedliches und gutes Leben in diesem Land.

Ich habe mich an Deutschland gewöhnt und manchmal denke ich, dass die westliche Kultur vielleicht besser zu mir passt als die Kultur, in der ich aufgewachsen bin. Ich möchte gerne in Deutschland leben und hier bleiben. Aber wird das unter diesen Umständen möglich sein?

Die Ereignisse, von denen ich hier gesprochen habe, nehmen mir meine Hoffnung und stellen mich alltäglich vor neue Herausforderungen. Es ist schwierig und traurig, wenn das eigene Leben so stark von den Taten anderer Menschen beeinflusst wird. Ich verliere manchmal auch die Motivation, mich gegen diese negativen Bilder zu stemmen, für die ich mit in die Pflicht genommen werde.

Khaled Al Rifai, Mitte, ist Mitbegründer der nid-Zeitung; die Idee reifte 2015 heran und im Februar 2016 erschien die erste Ausgabe. Foto: Wolfgang Wedel.

Dieser Text erschien 2018 in der 12. Ausgabe der Zeitung „Neu in Deutschland“.

Ein Kommentar

  1. Martina Clasing

    Nur der, der eine schlechte Tat begeht,
    ist da für verantwortlich.
    Keiner sonst.
    Lass dich nicht beirren auf deinem
    Weg, wer Menschen in Sippenhaft
    nimmt, der ist dumm und es sollte dich nicht kümmern, was er von dir denkt.
    Ich wünsche dir ein schönes Leben.

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