Das schöne Damaskus

Über Syrien werden in dieser Zeit viele schlechte Dinge gesagt. Omar Al Nabulsi und Mohamad Arbash ärgern sich, wenn sogar Landsleute nur davon erzählen, was kaputt ist und nicht läuft. Sie beschließen, gemeinsam einen Text über die schönen Erinnerungen an ihre Heimatstadt Damaskus zu schreiben. Mit einem stolzen Gefühl schauen sie nach, in welchem Jahr die Universität und andere wichtige Gebäude erbaut wurden. Aber so richtig kommen die schönen Erinnerungen erst hoch, als sie von Ausflügen zum Berg Kasiun erzählen und täglichen Fahrten entlang der Gota-Allee.

Damaskus_Mohammad ZaytounIch wundere mich, warum die Deutschen denken, dass wir eine schlechte Kindheit hatten, ein schlechtes Schulsystem. Das stimmt nicht. Die meisten von uns hatten eine schöne Kindheit. Wenn Menschen aus ihrer Heimat Syrien erzählen, muss man wissen, dass zwischen den großen Städten und den Dörfern große Unterschiede bestehen. (Omar)

Viel größere als in Deutschland zwischen Stadt und Land. In den großen Städten in Syrien kann man alles kaufen, so wie hier. (Mohamad)

Ich wundere mich, wie die Leute, die aus Syrien geflohen sind, erzählen, dass wir eine schlechte Heimat haben. Natürlich gibt es viele Negatives zu sagen, natürlich passieren schreckliche Dinge dort. Aber es gibt auch so viele schöne Dinge, die unser Land ausmachen, die wir nicht vergessen sollten. Unsere Heimatstadt Damaskus hat viele Sehenswürdigkeiten und historische Stätten. Die Universität Damaskus ist die älteste des ganzen Landes. Wir haben auch Museen, große Theater, Discos, Ballett, Oper. (Omar)

Ich erinnere mich gerne daran, dass ich in Damaskus fast immer, wenn ich aus dem Haus ging, irgendwelche Nachbarn traf und wir ein kurzes Gespräch führten. Die Menschen sind für uns wichtig. In Deutschland haben die Menschen für solche Dinge weniger Zeit. Die Arbeit ist meistens wichtiger. Unseren Nachbarn bringen wir auch regelmäßig etwas zu essen. (Natürlich sind wir alle überzeugt davon, dass unsere eigene Mutter am besten kocht!) (Mohamad)

Omar_DamaskusJeden Freitag ist bei uns Familientag. Es gibt Ful, also Bohnen, Falafel, Hummus. (Omar)

Ach, das war eine schöne Gewohnheit! (Mohamad)

Für mich nicht. Nicht immer. (Omar)

Ich war immer traurig, wenn wir an einem Freitag keinen Ausflug gemacht haben. In der Nähe von Damaskus gibt es große Gärten, dort gingen wir hin. Im Sommer konnten wir im See schwimmen. Es wurde gegrillt, auf jeden Fall wurde gegrillt. Den ganzen Tag verbrachten wir mit der Familie. Da während der Woche kaum Zeit dafür war. (Mohamad)

Am Donnerstagabend gingen wir mit unseren Freunden aus. Weil die meisten am Freitag frei hatten. Wir spielten Karten oder gingen zum Kasiun – einem Berg, von dem aus man über die ganze Stadt Damaskus blicken kann. (Omar)

Die Leute kommen dorthin, um zu picknicken und bleiben bis zum Sonnenaufgang dort. Wenn wir da oben sind, vergessen wir alles, was in der Woche schwer war. (Mohamad)

Damaskus hatte einmal 6 Millionen Einwohner. Es gibt eine über 1000 Jahre alte Moschee, die bis heute dort steht. Am Fuß des Kasiun-Berges gab es viele Restaurants und Cafés, als wir noch dort waren. (Omar)

In der Nähe von Damaskus gibt es auch einen Fluss, der im Sommer immer über die Ufer tritt und das gesamte Umland mit seinen unzähligen Weiden überflutet. (Mohamad)

Immer gab es frische Früchte von den Bäumen und den Feldern. (Omar)

Dabei fällt mir die Gota-Allee ein. Jeder kannte diese prächtige Straße! (Mohamad)

Oh, ja! Ich bin jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit dort entlang gefahren. (Omar)

Mohamad: In Damaskus gibt es eine Quelle, die von den Römern angelegt wurde. Sie versorgt die ganze Stadt mit Trinkwasser. Mit dem übrigen Wasser werden die Flüsse gespeist.

Bis in den späten Abend hinein werden Erinnerungen und Anekdoten ausgetauscht, Fotos gezeigt. Omar Al Nabulsi und Mohamad Arbash kommen aus unterschiedlichen Vierteln in ihrer syrischen Heimatstadt. In Bochum lernten sie sich kennen. Ihre Eltern leben weiterhin in Damaskus.

Dieser Text erschien 2017 in der 6. Ausgabe der Zeitung „Neu in Deutschland“.

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