Ich habe eine neue Hoffnung in mein Herz geblasen

Nema Albahri ist in Damaskus mit dem muslimischen Glauben aufgewachsen. Der Fastenmonat Ramadan ist für sie eine ganz besondere Zeit, auch und insbesondere während der Corona-Krise.

Von Nema Albahri

Dürfen die muslimischen Menschen im Ramadan wirklich nichts essen? Wie können sie es ohne Trinkwasser aushalten? Dies sind häufig gestellte Fragen, jedenfalls in Deutschland. Für mich geht es im Ramadan um etwas anderes.

Der Fastenmonat Ramadan ist Teil des muslimischen Glaubens. Die muslimischen Menschen fasten in unmittelbarer Nähe zu ihrem Gott Allah. Wir gehorchen damit Allahs Anweisung, dass wir fasten sollen. Ich bin mit diesem Gebot aufgewachsen, meine Eltern haben mich religiös erzogen. Durch den Glauben habe ich gelernt, einen starken Willen zu entwickeln und zum Beispiel den Hunger zu ertragen. Wir leben trotzdem weiter, auch wenn wir am Tag nichts essen und trinken.

In den meisten Erzählungen über den Ramadan geht es um das Iftar-Essen (Fastenbrechen) und um Süßigkeiten. Ich verbinde diese Zeit mit einem anderen, ganz besonderen Erlebnis für mich. In Damaskus haben wir während des Ramadans von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang in einer Moschee gebetet und Allah unsere Hoffnungen angetragen. Es waren Wochen voller Ruhe und Gelassenheit. Ich erinnere mich sehr gut an diese Nächte. Einige weinten, während sie die Gebete sprachen und baten Allah um Barmherzigkeit und um Vergebung.

Der Ramadan ist ein Monat des Betens. Wir lesen viel im Koran und wenden uns Allah zu. Der Ramadan ist außerdem ein Monat der Nächstenliebe, ein Monat der gesellschaftlichen Solidarität. Die Wohlhabenderen versorgen die Ärmeren mit Essen und Kleidung.

Im Schatten der Corona-Krise drohen all diese Dinge aus dem Blick zu geraten. Aber ich habe etwas Neues in mein Herz geblasen, eine neue Hoffnung, die mich trotz der besonderen Umstände daran erinnert, dass Allah existiert und dass es immer noch einen wunderschönen Monat namens Ramadan gibt, der die Menschen muslimischen Glaubens miteinander verbindet.

Nema Albahri lebt mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn in Bochum, besucht eine Berufsschule und möchte Hebamme werden.

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