Wie eine Fußballspielerin in Deutschland

Von Lamia Hassow

Der argentinische Fußballspieler Lionel Messi spielt für einen spanischen Fußballverein. Genau wie der Portugiese Christiano Ronaldo – und wie viele andere Fußballprofis, die für einen Verein außerhalb ihres eigenen Landes spielen. Sie sind diesem Verein gegenüber loyal und geben ihr Bestes dafür, dass diese Mannschaft Spiele und Titel gewinnt. Das heißt nicht, dass sie ihr eigenes Land betrügen oder hinter sich gelassen haben, dass sie ihre Herkunft und Traditionen vergessen. Nur weil sie sich für ihren Job einsetzen – und dieser Job eben nicht in ihrem eigenen Land angesiedelt ist.

In Länderspielen stehen sich manchmal Spieler, die aus dem gleichen Land kommen, in gegnerischen Mannschaften gegenüber, weil sie in unterschiedlichen Vereinen spielen. Aber am Ende des Spiels umarmen sie sich und trinken etwas zusammen, wie alte Freunde. Für sie ist ein Job ein Job. Eine Freundschaft ist eine Freundschaft. Alles hat seinen Wert, nichts muss das andere aufheben, diese Dinge können nebeneinander bestehen, harmonisch.

Lamia Hassow (links, mit D. Huneke-Nollmann) arbeitet seit Anfang 2017 engagiert bei der Bochumer nid-Zeitung mit. Hier bei einem Auswärtsspiel in Frankfurt.

Deutschland ist mein neuer Verein

So sehe auch ich mich hier in Deutschland manchmal wie eine Fußballspielerin. Deutschland ist mein neuer Verein, auch wenn ich eine andere Nationalität besitze. Ich komme aus einem anderen Land, ich bin mit einer anderen Religion und anderen Gepflogenheiten aufgewachsen. All das hindert mich nicht daran, dem deutschen Team gegenüber loyal zu sein. Ich bin freiwillig in dieses Team gekommen – weil mein eigenes Team gerade nicht spielt – und ich möchte mich für das deutsche Team stark machen. Auch wenn hier nicht immer alles zu dem passt, was in mir ist.

Diese Loyalität hindert mich nicht daran, meine Heimat zu lieben. Ich liebe meine Heimat sehr! Auch wenn ich einen neuen Job anfange, wenn ich von einem Unternehmen zu einem anderen wechsele: Von meinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen muss ich mich deshalb doch nicht abwenden!

Ich glaube, dass viele Menschen, die wie ich geflohen sind, so denken. Sie wollen für dieses Land etwas tun (sie wollen für sich selbst etwas erreichen) – und sie müssen dabei ihre Heimat nicht vergessen.

Dieser Beitrag erschien 2017 in der 7. Ausgabe der Zeitung „Neu in Deutschland“  >>nid Nr 7_2017_PDF

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