Wir sind jung! Wir sind stark! Wir sind da!

Schwer begeistert war das nid-Team Anfang Januar von der kraftvollen Peer-Gynt-Inszenierung der Theatergruppe „c.t.201“. Nicht nur, aber auch weil unser nid-Kollege Abdulrahman Salah mitspielte. Denn: Alle haben fantastisch gespielt!
Das Stück läuft noch bis Ende Februar in Bochum, Köln und Herne. (Alle Infos zum Stück: unten auf dieser Seite.)

Ich bin kein Kaiser,
ich bin kein König,
ich bin ein Mensch.
Die Menschen sollen einander als Menschen behandeln.
Wir sollen einander an den Händen fassen,
einander achten.
Ein Anführer interessiert sich nicht für die Menschen.
Wir müssen uns füreinander interessieren.
Das habe ich aus dem Stück mitgenommen.
(Azeddin Darmach)

Das war toll, als die Schauspieler ins Publikum kamen und alle Hände sich berühren sollten. Jeder von uns ist besonders, aber wir sind auch gleichberechtigt. (Lamia)

Wir wollten uns als Menschen präsentieren – nicht in den bekannten Rollen von Männern oder Frauen.

Das nid-Team nach dem Stück im Gespräch.

Ich habe verstanden, dass jeder seine eigene Persönlichkeit hat. Wir brauchen keine Anführer. Das ist auch das Thema in dem Gedicht „Wasteland“ von T.S. Eliot! Die jungen Menschen haben das auf die Bühne gebracht, was in diesem Gedicht steckt. (Azeddin Darmach)

Peer Gynt ist immer auf der Suche nach sich selbst. Durch seine Reise entdeckt er sein Selbst besser. Er ist nicht besonders gut, nicht besonders schlau. Er macht auch Fehler. (Abdul)

„Du entscheidest, wer Du bist!“

Auf der Bühne haben alle Schauspieler einmal gesagt „Ich bin Peer Gynt“. Ich habe gedacht: Ja, genau, wir sind alle Peer Gynt. Wir sind alle gleich, als Menschen. – Aber ich bin auch ICH. Ich bin LAMIA. Ich möchte meine eigene Persönlichkeit haben. (Lamia)

Toll war auch, dass die Männer- und Frauenrollen durcheinander gespielt wurden. Ein junger Mann, der als vollbusige Frau mit dickem Hintern über die Bühne stolziert. Eine männliche Mutter. Tolle starke Frauen, die sich nichts vormachen lassen! Und jeder bekam seinen eigenen, starken Moment auf der Bühne. (Dorte)

Wir wollten uns auf der Bühne als Menschen präsentieren – nicht in den bekannten Rollen von Männern oder Frauen. (Abdul)

„Du entscheidest, wer Du bist!“ – Dieser Satz hat mir im Stück am besten gefallen. (Hiba)

Jeder darf für sich entscheiden. Aber dann muss auch jeder zu seinen eigenen Fehlern stehen. (Dorte)

Ich hätte zu Peer gesagt: Tschüss!

Ach ja, ich wollte euch unbedingt noch fragen, wie ihr die Szene fandet, als Peer Gynt zu Solveig kommt, nachdem der lange gereist ist, auf Irrwege geraten war… Und sie hat in der Zeit auf ihn gewartet. Was hättet Ihr zu Peer Gynt gesagt? (Abdul)

Ich hätte Peer gefragt, was er gelernt hat, welchen Weg er nun gehen möchte. Wenn mir gefiele, was er sagt, würde ich ihm verzeihen und nach vorne gucken. (Khaled)

Ich hätte zu Peer gesagt: Tschüss! Das soll nicht so sein, dass eine Frau nur wartet und der Mann reist. (Lamia)

Ich glaube, das ist ein westlicher Gedanke

Eine großartige Stelle im Stück! Und sehr beruhigend, dass die jungen Frauen gegen solche Rollenmuster so stark und glaubwürdig aufbegehren! (Dorte)

Ich glaube, das ist ein westlicher Gedanke: Die Menschen hier denken, dass das in den arabischen Ländern bis heute so ist: dass die Frauen tatenlos warten, bis sie geheiratet werden. (Issam)

Aber das Stück kommt aus Europa! (Abdul)

Ja, genau. Wir sprechen hier über Europa. Es gibt auch Menschen mit anderen Gedanken. Ich denke, die Frauen sollen ebenfalls erst sich selbst und auch ein Stück von der Welt kennenlernen. (Issam)

Vielleicht verwenden wir zu viel Zeit und Kraft auf triviale Dinge wie eine Zwiebel.

Mir hat die Szene mit der Zwiebel am besten gefallen. Wer bin ich? Wir glauben, dass wir das wissen. Aber wir sind geprägt durch das, was uns umgibt. (Khaled)

Ja, die Zwiebel war gut: Wir haben etwas Großes erwartet, das zum Vorschein kommen würde. Und dann….eine Zwiebel! Das mochte ich an dem Stück, dass es mit unseren Erwartungen spielte. Vielleicht verwenden wir alle viel zu viel Zeit und Kraft auf solche trivialen Dinge wie eine Zwiebel. (Lamia)

Alle haben toll gespielt!

Politik und Religion beherrschen unser Land. Politik und Religion trennen uns. Jeder sollte sich seine eigenen Gedanken dazu machen können. Keiner sollte in eine bestimmte Richtung gezwungen werden. Deshalb ist es besser, wenn wir unser Denken über Politik und Religion für uns behalten. (Issam)

Ich habe nicht alles verstanden, aber ich war beeindruckt, wie toll alle gespielt haben. Das waren alles echte Schauspieler! (Rashed)

Alle haben toll gespielt!  (Issam)

Ihr wart unglaublich stark und mutig auf der Bühne. Wie habt ihr das geschafft? (Dorte)

Unser Regisseur Manuel Moser kennt uns mittlerweile sehr gut. Das ist ja schon unser zweites Stück. Er hat die Rollen sehr genau für uns ausgewählt und wir haben viel darüber gesprochen. Wir sind in dieser Zeit als Gruppe sehr stark zusammen gewachsen. Es gibt eine besondere Atmosphäre zwischen uns. Es gibt ein großes Vertrauen. Wir können deshalb auch mal etwas Kritisches sagen. Aber keiner wird ausgelacht und weggestoßen. Und keiner schiebt sich nach vorne. Das ist eine ganz besondere Atmosphäre – und deshalb haben wir auf der Bühne alles gegeben!

Das nid-Team mit unserem „Star“ Abdulrahman Salah aus dem Ensemble „ct.201 freies Theater Köln“ auf der Peer-Gynt-Bühne.

Das konnte man spüren! (Lamia)

Mehrere Personen im Publikum waren von den jungen SchauspielerInnen, ihren Worten und ihrer Präsenz so ergriffen, dass ihnen Tränen über die Wangen liefen.

Mit ihrem Stück  „His (or her) story“ war das junge Ensemble im letzten Jahr in der knappen Vorentscheidung für eine Einladung zu den Berliner Festspielen.

 

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Mehr Infos:

15 junge Menschen untersuchen Peer Gynt. Sie leben seine Fantasien, imitieren seine Prahlereien, sezieren seine Persönlichkeit und hinterfragen parallel ihre ganz eigene Rolle in der heutigen Gesellschaft.

In der Beschäftigung mit Peer, der seinem problematischen und schwierigen Leben entflieht und eine perfekte Fantasiewelt erschafft, sowie im Abgleich mit der eigenen Realität entsteht ein Abend voller Fantasie, Bewegung und Musik.
Wir sind jung! Wir sind stark! Wir sind Peer Gynt!

Eine Produktion des Ensembles Familie Rangarang produziert von c.t.201 in Kooperation mit Flüchtlingshilfe Weitmar, ZECHE 1 Bochum, theaterkohlenpott Herne sowie dem COMEDIA THEATER Köln.
Mit freundlicher Unterstützung von INTERKULTUR RUHR und Lions Hilfswerk Bochum e.V.

mit: Rami Al Telawi, Hayan Amer, Sifatullah Ashori, Mohammad Barho, Jasmin Büning, Mohammad Dehaqan, Aras Faraj, Neslihan Kanbur, Ina Marie Leukel, Milena Michalak, Amir Safare, Abulrahman Salah, Alireza Sawari, Aynur Terzi, Ali Yousef
Konzept und Regie: Manuel Moser
Spielleitung: Manuel Moser, Harun Çiftçi, Sibel Polat
Dramaturgie: Gabriele Kloke
Produktionsleitung: Katja Winke
Technik: Milan Piacenza
Künstlerische Produktionsassistenz: Nils Claßen

 

Termine

Zeche 1, Bochum:

Freitag, 05. Januar 2018, 19 Uhr

Samstag, 06. Januar 2018, 19 Uhr

Sonntag, 07. Januar 2018, 19 Uhr

 

COMEDIA Theater, Köln:

Dienstag, 09. Januar 2018, 19 Uhr,

Mittwoch, 10. Januar 2018, 19 Uhr

 

Zeche 1, Bochum:

Samstag, 13. Januar 2018, 19 Uhr

Sonntag, 14. Januar 2018, 19 Uhr

 

Flottmannhallen, Herne:

Freitag, 23.Februar 2018 19 Uhr

Sonntag, 25.Februar 2018 18 Uhr

Montag, 26.Februar 2018 11 Uhr

Kartenreservierung

peergynt@ct201.de

0221-2409467

 

 

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