Ein Stück Gold für Bochum
Fanpost drucken wir in dieser Zeitung eigentlich nicht ab. Aber in diesem Fall machen
wir eine Ausnahme, denn das muss einfach mal gesagt werden.
Von Lamia Hassow
Vor einem Tornado laufen die Menschen normalerweise weg, weil er tödlich sein kann… In Bochum traf ich jedoch auf einen Tornado, dem man gerne begegnet. Wenn man beide Stürme vergleicht, ist meiner zwar deutlich kleiner als das weltbekannte Naturphänomen, aber viel mächtiger.
Der Tornado, den ich meine, ist ein Sturm aus Freude, Liebe, Mitgefühl, Lachen und Lernen… Wer hineingerät, beginnt zu tanzen und bewegt sich fröhlich und frei in Richtungen, die vorher verrückt erschienen. Plötzlich tust du Dinge, von denen du nie dachtest, dass du sie tun würdest. Und unverhofft begegnest du einer Person, die mutig und liebenswert ist: Dir selbst.

Viele, insbesondere die Geflüchteten in Bochum, wissen längst, dass ich von Ximena Léon spreche. Zum ersten Mal sah ich Ximena bei „One Billion Rising“: einem öffentlichen Tanz als Protest gegen die Gewalt an Frauen weltweit, den sie für Bochum organisiert hatte. An diesem Tag erlebte ich eine Frau, die mit ihrem eleganten Tanz, ohne Angst oder Scham, den gesamten Platz vor dem Schauspielhaus in Bewegung setzte. Wie viele Menschen sind in Lage, solche Dinge zu tun? Vor den Augen so vieler anderer Menschen, die oft nur schwer zu bewegen sind. Etwas später erlebte ich sie bei ihrer Veranstaltung „Speed Talking“, bei der sie geflüchtete Menschen und deutsche MuttersprachlerInnen dazu bewegt, offen miteinander zu sprechen. An diesem Tag war ich fest überzeugt: diese Frau ist ein Stück Gold für Bochum.

Es gibt zweifellos viele tolle Sprachcafés in Bochum! Aber „Speed Talking“ ist anders. Natürlich steckt mehr Bewegung darin. Weil Ximena Léon es macht. Interaktiv, spielerisch, mehrsprachig, auf Augenhöhe, Integration in beide Richtungen. Die Energie dieser Frau würde diese Zeilen sprengen, würde ich versuchen, sie in Worte zu fassen… Wenn ich sie sehe, denke ich manchmal an die Abende in meinem Heimatdorf,
als ich noch ein Kind war
und die Glühwürmchen beobachtete,
die in der Nacht wie kleine Funken
vor mit tanzten,
an einen besonderen Moment
der Freude.
Dieser Text erschien in der siebten Ausgabe der Zeitung „Neu in Deutschland (3/2017).

2 Kommentare

  1. Gitta Bürger

    Wie recht du hast, liebe Lamia,
    sooo treffend, deine passende Beschreibung unseres „kleinen Tornados“.
    Hättest gerne auch noch XIMBA
    am Donnerstag, 18-19h in der Aula der Schillerschule, Königsallee erwähnen können 🙂
    Dort können geflüchtete Frauen und Männer kostenlos mittanzen!
    Wir haben immer genügend Plätze,
    eider zu wenig TeilnehmerInnen…
    Vielleicht hast du noch mal Gelegenheit es zu erwähnen?
    LG Gitta

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