Die deutsche Erinnerung an den Krieg

Als Zeitungsteam besuchen wir seit über zwei Jahren verschiedene Orte deutscher Geschichte und führten viele offene Gespräche. Aber darüber schreiben… – nein, lieber nicht. Wir wissen, dass die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg eine große Rolle in der deutschen Gesellschaft spielt. Bestimmte deutsche Begriffe sind seit dieser Zeit tabu.

Natürlich denken wir, wenn wir mit Deutschen über den Zweiten Weltkrieg sprechen, immer wieder an unsere Heimat. Viele Bilder und Erzählungen machen uns unendlich traurig. Aber darf man das vergleichen?

Die Geschichte des Wiederaufbaus hingegen macht uns Mut. Was sollen wir vergessen, an was wollen wir uns erinnern, wenn wir eines Tages wieder in Frieden zusammen leben wollen?

Wir dürfen nicht vergessen, unseren Kindern immer wieder von der Vergangenheit zu erzählen, von den Kriegen und anderen schlimmen Fehlern. Aber wir leben in der Gegenwart und wir brauchen eine Zukunft. Ich würde mir wünschen, dass an unseren Schulen „Moral“ als Schulfach unterrichtet wird. So können wir unsere Kinder in Menschlichkeit aufwachsen lassen.

In Bochum besuchte das nid-Team 2017 die Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ über das Leben der Anne Frank – in der Jüdischen Gemeinde Bochum, Herne, Hattingen.

In einer deutschen Zeitung wird im Dezember 2017 darüber diskutiert, ob ein deutscher Kriegsverbrecher (hunderttausendfacher Mörder) mit 96 Jahren ins Gefängnis gehen sollte.

Ich denke: nein. Wen bestrafen wir mit so einer Haft? Vor allem seine Familie wird darunter leiden! Ihnen wird diese alte Schuld aufgeladen! Besser wäre es in meinen Augen, wenn der alte Mann aufgefordert wür-de, öffentlich zu sagen, was er gemacht hat. Vielleicht schämt er sich. (Hoffentlich!) Er kann für die zukünftige Generation ein Zeichen für die Menschlichkeit setzen.

Ich kenne kein Land, dessen Bevölkerung ganz frei von Gewalt und Unrecht ist. Ich denke: Darüber müssen wir sprechen. Unsere Gesellschaften werden aber nicht durch Strafen friedlicher. Nur die Menschlichkeit kann eine Gesellschaft stärken.

Wenn wir unser Land (Syrien) wieder aufbauen und eine Gemeinschaft bilden wollen, müssen wir darüber hinwegkommen, was wir uns gegenseitig angetan haben. Es gibt so viele unterschiedliche Bündnisse. Wer ist unser Freund, wer ist unser Feind? Wir wissen es nicht. Wir müssen gegen die Idee des Nationalismus und radikale religiöse Ideen kämpfen – nicht gegen die Menschen. Menschen können sich verändern. Eine Gesellschaft kann sich Schritt für Schritt verändern.

Viele ältere Menschen hängen nationalen, konservativen Ideen nach. Diese Gedanken können wir nicht verbieten. Ich erlebe aber die jungen Menschen viel offener.

Aus einem Gespräch mit Issam Al-Najm

In Vogelsang in der Eifel besuchte das nid-Team 2017 die Ausstellung „Bestimmung: Herrenmensch. NS-Ordensburgen zwischen Faszination und Verbrechen“.

Wenn unser Lehrer über den Nationalsozialismus spricht, denkt er immer lange nach, bevor er etwas sagt. Er spricht vorsichtig und immer mit einem ernsten Gesicht.
Mahmoud Aldalati

Ohne eine Erinnerung an die Geschichte können wir keine Zukunft entwickeln.
Mahmoud Aldalati  

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