„Ich hoffe, dass ich schön aussehe“

Im November 2017 waren Auszubildende der GLS Bank bei uns in der nid-Redaktion und ließen sich erfreulicherweise darauf ein, zusammen mit uns zu schreiben. Manche Dinge hätten wir sonst wohl nie voneinander erfahren…

Issam Al-Najm und Nahed Al Essa vom nid-Team.

„Ich bin neugierig zu erfahren, wie es ist, in einer neuen Sprache zu schreiben und ich bin froh darüber, etwas Süßes auf dem Tisch zu finden.“

„Bevor wir herkamen, hievte ich meinen schweren Koffer mit viel zu vielen Sachen ins Auto. Im Auto war es sehr bequem und ich fühlte mich irgendwie heimisch. Hinten im Auto zu sitzen erinnert mich an meine Kindheit. … Ich hatte viele Gedanken im Kopf zum Thema Flucht, Angst, Unterdrückung, aber auch Hoffnung, Menschlichkeit und Zuversicht.“

„Ich habe gar nicht so eine Gastfreundschaft erwartet, und Lächeln.“

Astrid Blei (vorne links) von der GLS Treuhand besuchte das nid-Team mit Azubis der GLS Bank. Fotos: Sami Omar

„Ich war gespannt auf die Menschen, die wir treffen würden. Ich bewundere alle geflüchteten Menschen für ihren Mut und ihre Stärke und fühle mich oft sehr klein dagegen. […] Der Stuhl, auf dem ich sitze, ist hart, aber das ist mir völlig egal. In meiner Nase ist der Duft frischen Brotes. Es riecht wie beim Abendessen mit meiner Familie.“

„Ich wusste, dass unsere Gäste bei einer Bank arbeiten. Deshalb dachte ich nach, ob wir für unsere Zeitung wohl eine Finanzierung bekommen würden. Ich freute mich darauf, bald eine langfristige Finanzierung für unser Projekt zu haben. Der Tisch, an dem wir sitzen, ist toll gedeckt, wie immer. Aber die Hauptsache ist, dass alle, die mit uns am Tisch sitzen, sehr nette Menschen sind.“

Diejenigen, die neu im Stadtteilzentrum Q1 waren, schrieben an diesem Tag mit Dankbarkeit, Überraschung und Neugier. Ganz ähnlich blickt das nid-Team in unserer Zeitung regelmäßig auf Deutschland: mit eigenem Blickwinkel, manchmal überraschend, meistens dankbar, neugierig, aber auch kritisch.

„Als ich zum Termin kam, schämte ich mich zuerst, weil ich sah, dass die anderen Leute aus Syrien sehr gut Deutsch sprachen. Aber dann war es ok. Der Raum ist ein bisschen klein, aber trotzdem schön. Ein Fotograf macht viele Fotos und ich hoffe, dass ich schön aussehe.“

„Als ich in den Raum kam, stellte ich einen Widerspruch fest: Der Raum ist nicht sehr gemütlich und bequem eingerichtet, eher praktisch. Aber die Menschen, die ich in den ersten zwei Minuten gesehen habe, sind mir mit viel Fröhlichkeit und Offenheit begegnet. Ich fühle zwischen uns eine herzliche, willkommen heißende Atmosphäre.“

„Wir stiegen aus dem Auto und gingen in das sehr moderne Gebäude. Es herrschte eine angenehme Atmosphäre, wir wurden von allen sehr freundlich begrüßt. Im Gang fiel mir ein Wasserbrunnen auf, der gemächlich vor sich hinplätscherte.“

Ins Schreiben vertieft: Lamia Hassow.

Diejenigen, die neu im Stadtteilzentrum Q1 waren, schrieben an diesem Tag mit Dankbarkeit, Überraschung und Neugier, zum Beispiel über einen Brunnen (der eigentlich ein Taufbecken ist, was sie nicht wissen konnten).
Ganz ähnlich blickt das nid-Team in unserer Zeitung regelmäßig auf Deutschland: mit eigenem Blickwinkel, manchmal überraschend, meistens dankbar, neugierig, aber auch kritisch.

Nahed Al Essa (l.) und Dorte Huneke-Nollmann vom nid-Team.

Diejenigen die „Neu in Deutschland“ sind, wollten von den GLS-Azubis wissen, wie man in Deutschland einen guten Ausbildungsplatz bekommt. „Zeugnisnoten sind nicht entscheidend“, erklärten alle übereinstimmend. „Wichtig ist, dass man den Ausbildungsplatz wirklich haben will. Der Arbeitgeber muss sehen können, dass man dafür brennt.“

Die Azubis hatten sich zuvor einen halben Tag lang mit den Themen „humanitäre Krisen“, „Fluchtgründe“ und „unsere Verantwortung hier“ auseinandergesetzt.

Dieser Text erschien 2018 in der 9. Ausgabe der nid-Zeitung (1/2018) >>PDF, nid#9

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.