Jeden Tag von Neuem

Jeden Tag von Neuem

In Syrien gehörte die Arbeit zum Alltag des Familienvaters Samer Jaber. In Deutschland ist der Alltag manchmal besonders harte Arbeit.

Von Samer Jaber

Mutig ist es in meinen Augen, in einer neuen Welt einen Platz für sich zu finden. Noch einmal von Null anzufangen. Obwohl man in einer anderen Welt schon viel weiter gekommen war. Wir sind neu in Deutschland und müssen zuerst einen Sprachkurs machen. Dann machen viele von uns ein Praktikum. Eine Weiterbildung. Nochmal ein Praktikum. Und hoffentlich finden wir alle am Ende eine Arbeit.

Mutig ist es, sich auf die Gewohnheiten einer neuen Gesellschaft einzulassen. Seit ich in Deutschland bin, stehe ich morgens sehr früh auf und komme zu allen Terminen sehr pünktlich. Nach und nach beginnen wir, die neue Kultur zu verstehen. Auch die Regeln des Arbeitsmarktes müssen wir erst einmal verstehen. Wie präsentiere ich mich auf dem deutschen Arbeitsmarkt? Selbstsicher? Zurückhaltend? Jedenfalls muss ich nun Bewerbungen und einen Lebenslauf schreiben, zum ersten Mal in meinem Leben, weit nach meinem dreißigsten Geburtstag. In Syrien reicht es, wenn man sich telefonisch bei einem Unternehmen meldet. Natürlich hilft es, wenn man dabei den Namen eines gemeinsamen Bekannten nennen kann…

Mutig finde ich mich, wenn es mir gelingt, meine Ängste jeden Tag von Neuem zu überwinden und mich selbst zu motivieren. Angst vor der Zukunft. Angst davor, keinen Job zu finden. Angst vor dem Bestehen in dieser neuen Welt. Und wenn es mir gelingt, neben meiner Familie zu stehen, ihnen Mut zu geben.

Samer Jaber, Foto: privat

Vielleicht ist es mutig, das alles hier aufzuschreiben. Geben diese Gedanken mir Mut? Oder nehmen sie ihn mir? Durchzuhalten, das ist mein Wunsch.

Dieser Text erschien 2018 in der 12. Ausgabe der Zeitung „Neu in Deutschland“.

Kontakt Samer Jaber: samer.care@hotmail.com

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